Ein Füllhorn der Weisheiten

Die Autorin und Heilerin Magdalena Reupold weiß wie es geht. Sie hat die seltene Gabe Kompliziertes einfach werden zu lassen, da sie die Sprache der Blumen wie Botschaften der Seele empfängt.

Zu Beginn des neuen Jahres sind gute Vorsätze wieder hoch im Kurs. Eingeschliffene Verhaltensmuster und das Festhalten an alten Gewohnheiten stehen den gutgemeinten Absichten oft im Weg. Dabei fehlt es manchmal nur am richtigen Blick auf die Prozesse des Alltags, die Probleme und Stolpersteine, die das Leben kompliziert machen. Sie sind der Ursprung von Ängsten, Sorgen und Krankheiten. Magdalena Reupold zeigt mit ihren zauberhaften Blumengeschichten auf eine erfrischende und klare Weise, wie ein Lebensweg in Glück und Zufriedenheit möglich ist. Dabei hält sie dem Leser einen Spiegel vor, in dem er sich erkennen kann, um die Weichen des Lebens neu zu stellen.

Die vierundsechzig Geschichten sind jeweils einer Blume mit einer ganz besonderen Fähigkeit gewidmet, um den Menschen in einer bestimmten Situation zu helfen. Wie ein Therapeut ist die Pflanze manchmal provozierend um herauszufordern, manchmal ermutigend, aber auch an den richtigen Stellen tröstend. Sie weiß genau, wie sie ihren Schützling anzupacken hat, um ihn Stück für Stück weiter voran zu bringen. Es ist kaum möglich, das Buch zu lesen, ohne sich selbst in den Geschichten wiederzuerkennen, seine Schlüsse aus den Fabeln zu ziehen und über die Geschehnisse nachzudenken. Und am Ende auch über sich selbst nachzudenken. Und dann ist alles immer noch gleich – aber plötzlich ganz anders.

Mit ‚Ein Füllhorn der Weisheiten’ ist Magdalena Reupold ein unterhaltsames und vor allem nachdenklich stimmendes Buch gelungen. Die vielen einzelnen Geschichten können zum reflektieren über das eigene Leben einladen, zum hinterfragen eigener Überzeugungen und Auffassungen. Sie sind aber auch – ohne den tieferen Sinn sehen zu wollen – unterhaltsam und bieten eine bunte Mischung aus Erzählungen verschiedenster Lebensformen in Neuzeit und Altertum. Alles in allem ein empfehlenswertes und gelungenes Buch.

381
Seiten
8445
Zeilen
77739
Wörter
473009
Zeichen

LESEPROBE

Gänseblümchen aus "Ein Füllhorn der Weisheiten"

Gänseblümchen aus „Ein Füllhorn der Weisheiten“

Gänseblümchen

In der Einfachheit liegt die Kraft

Bella, ein Sterntalermädchen

 

Ein Mädchen und ein Junge, sie waren Geschwister, wuchsen zusammen auf. Der Junge war ein Jahr älter und das nutzte er als Privileg – der Ältere und der Klügere zu sein.

Tim wollte ein Held sein, wollte alle beeindrucken, wollte alle auf seiner Seite haben. Gut, dass sein Geschwister ein Mädchen ist, die braucht man nicht ernst nehmen, die ist seinem Heldentum keine Gefahr. Über die kann er sich höchstens lustig machen:
»Letztens hat sie alle Puppen ausgezogen und ihre Schönste nackt ins Gras gelegt, damit sie braun wird. Da nahm ich mein Fahrrad und bin drüber gefahren. Da war ihr Bauch eingedrückt. So habe ich ihr gezeigt, wer der Gewinner ist. Die hat vielleicht geplärrt, dann holte sie Verbandszeug, hat das Eingedrückte mit Heu ausgestopft und dann den Verband darübergelegt. Diese Puppe hat sie nicht mehr aus den Augen gelassen und vor mir versteckt. Aber ich natürlich, ich habe sie gefunden. Ich popelte das Heu heraus und ersetzte es mit einer Kröte – und legte den Verband wieder drüber. Die Mutter hatte ich auf meiner Seite, denn ich bin ihr ganzer Stolz. Und ich verstehe es auch, mich in Pose zu bringen. Meine Schwester, die führt in meiner Gegenwart ein Schattendasein.«

Bella ist ein zufriedenes Kind. Obwohl sie oft enttäuscht ist über ihren Bruder. Er legt es immer darauf an, dass sie sprachlos dasteht, als ob sie nicht bis fünf zählen könnte. Sie wusste, dass er maßlos übertrieb bei seinen Erzählungen. Bella spielte gerne in der Natur und egal wo sie war, sie gestaltete alles nach ihrem Geschmack. Der Spielplatz im Wald war bald mit Blumen geschmückt. An ihrem Bett hingen Tannenzapfen von denen Sie allen Ernstes behauptete: »Sie geben mir Kraft und gute Laune und schützen mich.«
Da hatte ihr Bruder wieder was zu lachen und bei jeder Gelegenheit versucht er sie mit ihren Spielereien zu verspotten.

Irgendwann beschloss sie nichts mehr zu sagen.
»Ich tanze mit meinen Puppen in der Wiese, binde mir einen Kranz aus Gänseblümchen und setze Heuschrecken als Glücksbringer in den Puppenwagen. Aber nur im Geheimen. Ich erzähle keinem davon.«

Nun hatten sie bald die Schulzeit hinter sich und mussten an die Berufswahl denken. Für Tim war klar, er will ein Held sein. Und so fand er, dass Strommastenklettern eine Herausforderung für ihn sei. Deshalb lernte er Elektriker.

Mit Bella war das nicht so einfach, sie war immer noch in ihrer Märchenwelt, in der sie alles schön und friedlich haben wollte. Irgendwie ist sie für diese Welt untauglich. Sie hat keinen Kampfgeist, will keine Spiele bei denen es Verlierer gibt, aber wenn man ihr Stoffe und Farben gibt, kann sie sofort daraus etwas zaubern. Sie redet nicht viel, weil sie   glaubt, dass sie nicht richtig tickt. Es ist nicht schön, wenn man seine Fantasie ausdrückt und dann zum Gespött wird. Sie lernt Friseurin, das hat ihr die Mutter empfohlen.
»Da hast du immer Arbeit und musst nicht rechnen. Das wirst du schon hinbekommen.« Anfangs machte es ihr auch Freude, sie hatte ja ein Gespür für Haarstruktur und harmonisches Zusammenspiel. Aber als sie dann die Köpfe verunstalten musste mit Modefrisuren, nur weil sie ›IN‹ waren, glaubte sie wieder altbacken und unbegabt zu sein. Bald hatte sie keine Freude mehr bei ihrem Tun und suchte, nein, sie hoffte nach einem Ausweg.

So recht und schlecht hielt sie durch, hatte auch mal einen Freund, aber auch mit ihm konnte sie nicht reden.
»Das ist sicher meine Schuld,« dachte Bella. »Mit mit mir stimmt etwas nicht.«
Doch eines Tages stand er da, der Mensch, der sie verstand, bei dem sie zu sprechen begann, der ihr zuhörte, der das Gleiche empfand wie sie, der auch diese Welt kannte. Zusammen war es gut. Aber man muss doch mit anderen Menschen auch zurechtkommen.

Manchmal lagen sie zusammen im Gras, das mit vielen, vielen Gänseblümchen übersät war. Sie lagen nur da, hielten sich an den Händen – und es war gut.
Hätte Bella nicht so viele Zweifel über ihre besondere Art gehabt, hätte sie die Gänseblümchen sprechen hören: »Seht ihr, da sind sie wieder, die Zwei, die nicht wissen wie nahe sie an ihrem Glück sind. Seht ihr auch, wie sie sich quälen und bemühen wie die anderen ›Normal‹ zu sein? Noch sehen sie nicht das mächtige Denken und das trockene Herz der Anderen, weil sie nicht auf die Idee kommen, dass sie selbst eine unglaublich feinsinnige Wahrnehmung haben für das Natürliche und somit auch für das Unnatürliche. Wir würden ihnen so gerne helfen, aber sie müssen ihre Fähigkeiten selbst begreifen.«

Plötzlich veränderte sich Bellas Freund. Er meidet sie und hockt mit sogenannten Freunden zusammen, um sich zu beweisen, dass er ›Normal‹ ist. Für Bella war das die traurigste Zeit ihres Lebens. In dieser Zeit hört sie etwas von Spiritualität, das interessiert sie. Sie besuchte Kurse und erkannte, dass das, was hier gelehrt wird, sehr viel mit dem zu tun hat, was sie immer schon ist und tut. Sie fragt den Lehrer: »Wieso lehrst du etwas, was selbstverständlich ist, das weiß man doch?«

»Liebe Bella, du bist eine Ausnahme, viele haben ihre Quelle verlassen um sich von einer anderen zu speisen. Da geht’s dann darum, was man tut – was man trägt – was man sagt – was man zu denken und zu glauben hat. Diese Menschen gaben ihrem Leben einen anderen Sinn, als es das Leben an sich ist. Aber irgendwann spüren sie die Sinnlosigkeit. Bella, weil du an deiner Quelle bist, bist du mit der Weisheit der Liebe verbunden. Hör auf, dich mit anderen zu vergleichen. Schätz dich glücklich so zu sein. Viele haben noch einen langen Weg vor sich um zu sich selbst zu finden. Wenn du an dir nicht mehr zweifelst, kannst du ihnen ja helfen. Aber warte, bis sie dich fragen, sonst erntest du nur Gelächter. Damit schützen sie ihre eigene Lüge.«

Bella liegt wieder mit ihrem Freund im Gras voller Gänseblümchen. »Weißt du mein Liebster, manchmal glaube ich, dass ich ein Sterntalermädchen bin – wenn ich nur zu zweifeln aufhören könnte.« Er nahm sie in den Arm und sagte: »Mit dir spürt man den Himmel. Da floh ich manchmal in die Hölle um ›Normal‹ zu sein, aber da passe ich nicht hin. Zeig mir den Himmel, damit er mir keine Angst mehr macht.«

Und diesmal hört sie die Gänseblümchen, wie sie zu ihr sprechen: »Ja, liebe Bella, himmlisches Glück kann man nicht für sich behalten, das muss man teilen, verströmen, verschwenden. Und wenn dich keiner versteht, erstickst du an deiner Liebe. Nimm deinen Freund an die Hand, verzeih ihm die schmerzhafte Flucht in die Hölle und lernt, dass euch Spott und Gelächter nicht mehr betrüben. Das Glück ist so nah, dass es ein berechnender Mensch nicht findet.«

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